Ein wenig ähnelt er Jakub Shapiro aus dem dritten nun auf Deutsch vorliegenden und von Olaf Kühl wieder exzellent übertragenen Roman „Der Boxer“. Den annonciert sein Verlag als „ein Buch wie ein Faustschlag“, und genau so ist es. (…)

Szczepan Twardochs manchmal ins Surrealistische spielenden Erzählstil packend zu nennen, wäre untertrieben. Wie der Autor die zu allem bereite Unterwelt jenseits moralischer Bremsklötze aufmarschieren lässt, wie er freizügige Frauen plausibel verführerisch zeichnet, wie er die Zeiten überbrückt, wie er leise Skrupel und laute Dialoge einbaut, wie er Interieurs füllt, mit Sinnlichem verstört, mit Sarkasmus überrumpelt, da hinein die Ambivalenz seiner Helden stellt und nichts sicher sein lässt: Das ist schlichtweg großartig.

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Mit dem „Boxer“ hat Twardoch sein Schreiben noch einmal auf eine neue Stufe gehoben, was auch an der grandios doppelbödigen Konstruktion liegt. (…)

Und welche Hoffnung lässt dieser groß- artige Roman uns in seiner ausweglosen Welt? Erzählen, auch das eine Pointe des „Boxers“, ist hier der Versuch, sich zu reinigen, den Verlauf der Geschichte zu korrigieren und sich in der Fiktion zu erlösen. Twardoch ist katholisch geprägt, aber er bezeichnet seine Welt- sicht als heidnisch: Der Mensch ist ein Teil des Kreislaufs der Natur, von Wer- den und Vergehen, sodass wie in „Drach“ nur die Erde die ganze Story kennt. „Extrem pessimistisch“, nennt Twardoch sein Schreiben. „Wenn Zeit kreisförmig ist, gibt es keine Erlösung.“

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An einer Stelle von Szczepan Twardochs grandiosem Roman „Der Boxer“ heißt es: „Mir ist Amerika lieber“. Dieses Bekenntnis des Erzählers bezieht sich nicht zuletzt auf eine Pistole, eine amerikanische Fünfundvierziger, die „bessere Löcher in den Menschen“ macht. Solche Details sind wichtig, führt doch die Handlung mitten in die Warschauer Unterwelt vor dem Zweiten Weltkrieg. Dort geht es schlicht ums Überleben. Scheinbar mühelos gelingt dies nur Jakub Shapiro, der Hauptfigur dieses groß angelegten Gangster-Epos, das – frei nach Sergio Leone – auch „Es war einmal in Polen“ hätte heißen können. (…)

Allein anhand des Boxsport-Themas ließe sich eine ganze Liste potenzieller literarischer Einflussnehmer von Brecht über Georges Simenon bis zu Norman Mailer und, ja, Hemingway, erstellen. Aber auch wenn viele von Twardoch virtuos verarbeitete Motive an die Film- oder Literaturgeschichte erinnern, schafft er doch eine ganz eigene, sprachlich dichte, hochkomplexe Welt.

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Das Buch beginnt mit einem Schlag ins Gesicht. Einem buchstäblichen, der zugleich ein symbolischer ist. (…)

Jakub aber will selbst Pate werden, Warschaus „König“, wie der Roman im Original heißt. Ein Verweis auf Isaak Babels gleichnamigen Text in den „Geschichten aus Odessa“ (1923/24). Die jüdischen Protagonisten waren dort keine Opfer oder Märtyrer, wie zumeist in der Literatur, sondern stilvolle, starke Männer und Frauen, eine Gang, die zeigt, wo es langgeht.

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