Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Das Besondere an Twardochs Buch sei dessen Erzählperspektive, schreibt Kritiker Jan Koneffke. Während im Vorgängerroman „Morphin“ die körperlose Erzählinstanz eher gestört habe, lebe „Drach“ ganz von ihr. Das Element Erde (nicht der Planet) berichte hier vom Schicksal einer schlesisch-deutschen Familie in den vergangenen einhundert Jahren. Als Gegenentwurf zu Thomas...

18.06.2016 Der Tagesspiegel KATRIN HILLGRUBER

Sie verkörpert „Drach“, das von Bergbau und Weltkriegen geschundene oberschlesische Erdreich. Es spürt den leichten, vergänglichen Schritt der Tiere – besonders der Rehe – das ausbeuterische Graben nach Bodenschätzen. Die Erde wird zum Drachen, der die Jahrhunderte mitleidlos überblickt. Dadurch entsteht ein Eindruck von Gleichzeitigkeit, den die aneinandergereihten Jahreszahlen an den...

24.03.2016 Spiegel Online Jurek Skrobala

Was man sich alles anhören müsste, wenn die Erde sprechen könnte. Sie könnte pausenlos erzählen, Jahre würden vergehen wie Tage, und das Haar des Zuhörers würde erst grau, dann weiß und letztlich ausfallen. Die Erde ver- gisst nicht. Sie erinnert sich an alles. (…)

Ein Roman über eine Familie, man denke an Thomas Manns „Budden- brooks“, ist nie nur ein Roman über...

23.04.2016 Der Westfälischer Anzeiger Ralf Stiftel

Ein poetischer Kunstgriff ermöglicht es Twardoch, eine Unmenge an Stoff extrem zu verdichten. Die Erde selbst erzählt hier, eine archaische Gottheit, die zwar alles bemerkt und spürt, aber nicht mitfühlt. Ein weiteres Paradox durchzieht den Roman und kennzeichnet die Gleichgültigkeit des Erzählerichs, die ständige Beteuerung, dass etwas ‚wichtig‘ sei, aber ‚keinerlei...

07.05.2016 Die Nürnberger Zeitung Christian Mückl

Dem schlesische Autor Szczepan Twardoch, geboren 1979, ist mit seinem zweiten Roman „Drach“ (was so viel bedeutet wie „Kern“) ein Wimmelbild an erzählerischer Wucht, ein Sittengemälde ohne Moral, ein Werk gelungen, das in die Wunden der Welt dringt, um sogleich lässig darüber hinwegzustreichen. So ein Buch ist selten. (…)

Gleich einem Vogel stößt die Erzählstimme in...

28.05.2016 Die Welt Paul Jandl

Szczepan Twardoch überschreibt seine Kapitel mit Jahreszahlen. Oft ist es eine lange Reihe. Und in dieser Reihe steckt der Tremor eines Jahrhunderts, ein Zittern, von dem der Text Seite für Seite erschüttert wird. Nach Belieben wechselt Twardoch die Zeiten, blendet ineinander, was sich während eines Jahrhunderts in seiner Heimat Oberschlesien zugetragen hat, und wechselt dabei Schauplätze und...

25.01.2018 Frankfurter Allgemeine Zeitung Marta Kijowska

Es sind einige literarische Tabus und historische Mythen, mit denen Szczepan Twardoch in seinem Roman bricht. Zum einen sind es all die Eigenschaften, die sein Shapiro tatsächlich im Übermaß verkörpert, die auch auf Frauen in seiner Umgebung abfärben („neue Frauen, Jüdinnen, wie die Welt sie nie zuvor gekannt hatte, sportlich, selbstsicher, stark . . .“) und die bisher polnischen...

07.02.2018 Die Welt Richard Kämmerlings

Mit dem „Boxer“ hat Twardoch sein Schreiben noch einmal auf eine neue Stufe gehoben, was auch an der grandios doppelbödigen Konstruktion liegt. (…)

Und welche Hoffnung lässt dieser groß- artige Roman uns in seiner ausweglosen Welt? Erzählen, auch das eine Pointe des „Boxers“, ist hier der Versuch, sich zu reinigen, den Verlauf der Geschichte zu...

26.02.2018 Süddeutsche Zeitung Frauke Meyer-Gosau

Das Warschau des Jahres 1937 ist in Szczepan Twardochs Roman „Der Boxer“ eine geteilte Stadt. Die Polen leben in den guten Vierteln, in den schlecht beleumdeten und armen die Juden. Es muss schon Besonderes geschehen – ein Bordellbesuch, ein Boxkampf, eine Fahrt zum arrivierten Schneider –, damit die Bewohner der einen Welt in die andere wechseln. Zumal in der jüdischen Jiddisch gesprochen...

17.02.2018 Berliner Zeitung MATHIAS SCHNITZLER

Das Buch beginnt mit einem Schlag ins Gesicht. Einem buchstäblichen, der zugleich ein symbolischer ist. (…)

Jakub aber will selbst Pate werden, Warschaus „König“, wie der Roman im Original heißt. Ein Verweis auf Isaak Babels gleichnamigen Text in den „Geschichten aus Odessa“ (1923/24). Die jüdischen Protagonisten waren dort keine Opfer oder Märtyrer,...