Rezensionen

Der Boxer

Der Tagesspiegel TOBIAS SCHWARTZ

An einer Stelle von Szczepan Twardochs grandiosem Roman „Der Boxer“ heißt es: „Mir ist Amerika lieber“. Dieses Bekenntnis des Erzählers bezieht sich nicht zuletzt auf eine Pistole, eine amerikanische Fünfundvierziger, die „bessere Löcher in den Menschen“ macht. Solche Details sind wichtig, führt doch die Handlung mitten in die Warschauer Unterwelt vor dem Zweiten Weltkrieg. Dort geht es schlicht ums Überleben. Scheinbar mühelos gelingt dies nur Jakub Shapiro, der Hauptfigur dieses groß angelegten Gangster-Epos, das – frei nach Sergio Leone – auch „Es war einmal in Polen“ hätte heißen können. (…)

Allein anhand des Boxsport-Themas ließe sich eine ganze Liste potenzieller literarischer Einflussnehmer von Brecht über Georges Simenon bis zu Norman Mailer und, ja, Hemingway, erstellen. Aber auch wenn viele von Twardoch virtuos verarbeitete Motive an die Film- oder Literaturgeschichte erinnern, schafft er doch eine ganz eigene, sprachlich dichte, hochkomplexe Welt.

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